Schulausfall macht Eltern wütend – Ein Kommentar
Ich beziehe mich auf diesen Text, erschienen in der MT am 21.12.10:
Schulausfall macht Eltern wütend
Auch Dienstag kein Unterricht im LandkreisVon Heinrich Kaiser
Landkreis Cloppenburg – Für Landrat Hans Eveslage fängt der Tag zurzeit um 5 Uhr morgens an: 75 Meter Gehweg vor dem eigenen Grundstück gilt es von Schnee und Eis zu befreien. Danach tritt der Chef der Kreisverwaltung die rund 50 Kilometer weite Anreise von Barßel nach Cloppenburg an. „Die Bundesstraße 72 ist voll mit Schneematsch. Aber ab der Stadtgrenze von Cloppenburg gibt es nur noch Eis“, sagt Eveslage. Sauer ist er nicht etwa, weil er so früh aufstehen muss und nur langsam vorwärts kommt, sondern weil Tausende von Schülern vier Tage lang keinen Unterricht haben. „Würde das Straßenbauamt öfter streuen, müsste die Schule nicht ausfallen. Ich werde mich in Lingen beschweren“, sagt er.
Auch heute können die Schüler zwischen Essen und Barßel liegen bleiben. Die Schulbusse bleiben stehen, der Unterricht fällt aus. Das bringt Silvia Büter auf die Palme: „Es ist nicht nötig, dass die Schule tagelang ausfällt“, meint die Elternratsvorsitzende des Clemens-August-Gymnasiums. Die Cloppenburgerin befürchtet, dass die Schüler den verpassten Stoff kaum noch aufholen können. „Vor allem den Abiturienten fehlt eine Menge. An vier Tagen versäumt man viel“, meint sie.
Schulausfälle ließen sich wohl nicht vermeiden, meint Büters Kollege vom Gymnasium Liebfrauenschule in Cloppenburg, Stefan Riesenbeck. Dennoch stehe man dem Problem nicht hilflos gegenüber. Seine Idee: Am Anfang eines Schuljahres werden vier Samstage eingeplant, an denen eventuell ausgefallener Unterricht nachgeholt werden könnte. Ferien zu verkürzen sei schwierig, weil viele Familien schon früh ihren Urlaub buchen würden. Aber sich ein paar Samstage freizuhalten, sei landkreisweit ohne Zusatzkosten umsetzbar. „Außerdem hat jede Schule eine Homepage. Warum stellen die Lehrer nicht wenigstens einen Teil des Stoffes, der an dem Tag drangewesen wäre, ins Internet? Dann können die Schüler zuhause etwas arbeiten,“ sagt der Elternrats-Vorsitzende.
Meistens entscheidet der Landkreis erst am frühen Morgen, ob der Unterricht stattfinden kann. „Über Nacht können sich die Straßenverhältnisse verändern“, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung, Ansgar Meyer. Um fünf Uhr telefoniert der Schulamtsleiter mit seinen Kollegen in den Nachbar-Landkreisen, mit der Leitstelle und der Polizei, um dann über den Schulausfall zu entscheiden. Nur wenn es eine Unwetterwarnung für den nächsten Tag gebe oder sicher sei, dass die Verhältnisse nicht besser werden, falle die Entscheidung schon am Tag zuvor – so wie gestern.
Nun, wie kommt man auf solche Forderungen? Gehen diese “Elternratsvorsitzende” noch zur Schule? Wissen sie, wie es dort aussieht?
Die Aussage, dass Schüler, und insbesondere die Abiturienten, “Stoff verpasst” hätten, ist unsinn. In Englisch hätten wir einen Film geschaut, in Mathe Erdkunderätsel gelöst, in Politik diverse Zeitungen miteinander verglichen. In Deutsch hätten wir Kuchen gegessen und evtl. ebenfalls einen Film geguckt. In Physik wollten wir frühstücken. In Religion wollten wir in die Kirche gehen, um einen Gottesdienst vorzubereiten. Nennt man das verpassten Stoff? Und beim CAG sah es ähnlich aus, auch dort schaute man in den letzten Tagen nur Filme.
Die Forderung, ausgefallene Schultage am Wochenende nachzuholen, ist ebenso idiotisch. Wie oben schon erwähnt, wären diese Schultage eh sinnlos gewesen. Außerdem haben Schüler nur zwei Tage in der Woche, an denen sie sich wirklich Zeit für sich nehmen und ihre Ruhe haben können. Aber nein, auch da muss die Schule nun noch eingreifen. Wieso eigentlich?
Weil der Landkreis es nicht auf die Reihe bekommen hat, die Straßen zu räumen. Immer mit der Ausrede, das Salz sei knapp. Hallo? Das war im letzten Winter schon so und inzwischen sollten sie daraus gelernt haben, könnte man meinen.
Aber es ist immer am einfachsten, den Zorn und Ärger auf Unschuldige zu übertragen.
Die Elternratsvorsitzenden sollten ihre Aufgabe einmal ernst nehmen und etwas sinnvolles für die Schüler und die Schule tun, anstatt mit einem solchen Mist die Tageszeitung zu füllen. Wie wäre es damit, sich für ordentliches Essen in der Schule einzusetzen? Oder für einen sinnvolleren Fahrplan der Busse?
Bleibt zu hoffen, dass sie nicht noch mehr Mist verzapfen.
luke


